Mit einem einfachen format c: hat alles begonnen
Eine Geschichte über einen 486er, ein katastrophales Missverständnis in der Schulpause, ein viel zu dickes MS-DOS-Buch – und den Weg vom Dorf-Kinderzimmer zur eigenen Software-Plattform.
Der Heilige Gral im Kinderzimmer
Es war Frühling. Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Ich saß in meinem Kinderzimmer, der „Heilige Gral“ stand mir gegenüber: eine graue Kiste, ein – für heutige Verhältnisse – extrem klobiger Monitor, daneben eine weiße Maschine, sie nannten es „Tower“. Dazu graue Tastatur, graue Maus.
Mein Tag war alles andere als grau. Es war der Tag, an dem der erste Rechner in unseren Haushalt eingezogen ist. Niemand hatte einen Plan – außer dem Techniker, der den PC vorbeigebracht und installiert hat.
Ein Klick hier, ein Klick da. Gebannt starrte ich auf den Bildschirm. Nach gut 90 Minuten und gefühlt 50 Disketten hieß es: „So, fertig ist das gute Stück!“ Für ihn Routine. Für mich der Startschuss für mein digitales Ich.
Bis dahin gab es nur die Schule (man musste halt hin) und den Bolzplatz. Und jetzt gab es eben auch noch diese graue Kiste, von der niemand so richtig wusste, wie sie funktioniert. Ein 386er – für die, die mitfühlen wollen. 🙂
Die Sache mit FIFA 95
In meiner Klasse hatten der eine oder andere ja auch so eine Kiste. Damals rief man andere Menschen noch mit einem Telefon mit Schnur an. Verrückte Zeit.
Also: „Ich ruf mal eben Christoph an, der hat auch so’n Teil. Ich frag mal, ob er morgen ein Spiel mitbringt.“
Am nächsten Schultag ab zum Klassenkameraden:
„Du, sag mal, haste mir ’n Spiel mitgebracht?“
„Klar, hier sind die Disketten.“ (Ich glaube, es war FIFA 95.)
„Was mache ich denn damit?“
„Ach, ist ganz einfach. Einfach in DOSformat c:eingeben, dann wird das installiert.“
Gesagt, getan. Tonni in die Ecke, ab zum PC.
C:\> format c:
Alle Daten auf Ihrer Festplatte werden gelöscht. Fortfahren?Was hat er nochmal gesagt? Einfach den Befehl eingeben und mit „Ja“ bestätigen. Wird wohl seine Richtigkeit haben.
Spoiler: Hatte es natürlich nicht. 😂
Das Ende vom Lied: Der Techniker musste ran und begründete den Ausfall mit „War wohl ein Virus drauf.“ Nach dem nächsten Schultag wusste ich, dass es daran eher nicht gelegen hat.
Ein viel zu dickes MS-DOS-Buch
Nach dieser Schlappe war für mich eins klar: Ich muss das hier irgendwie lernen.
Leider gab es damals kein YouTube, keine Tutorials in Videoform, keine schnell konsumierbaren Häppchen. Was es gab, war ein Buch namens „MS-DOS“. Mit dem Teil hätte man jemanden erschlagen können – so dick war es. Dazu muss ich sagen: Lesen zählte (außer im Rahmen der Schule) nicht gerade zu meinen Favoriten.
Trotzdem hatte ich das Buch in etwa einer Woche durch. Learning by doing. Drei Wochen später schrieb ich meine ersten kleinen Programme, später coden in Delphi.
Für mich war klar: Ich werde Programmierer.
Die Entscheidung gegen Köln
Leider stellte sich heraus, dass das damals nur in Köln gegangen wäre. Der kleine Daniel aus’m Dorf nach Köln? Alleine? Never ever.
Einerseits bereue ich diese Entscheidung – damit hätte ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Andererseits hat sie mir den Blick und die Richtung für alles gegeben, was danach kam.
2015 – rawe hermetics und der Anspruch an digitale Prozesse
Als ich 2015 rawe hermetics gegründet habe, war für mich eins klar: Wir brauchen digitale Prozesse. Sinnvolle Prozesse.
Wie ich gerne sage:
„Ein schei* analoger Prozess ist auch ein schei* digitaler Prozess.“
Durch die Entscheidung, ein digitales Unternehmen zu sein, war schnell klar, dass der damalige Prozess der Leckagedokumentation alles andere als optimal war. Manuelle Listen schreiben, Fotos machen und später zuordnen, Datentransfer zwischen Messgerät und PC – es dauerte Stunden.
Dann kam der Punkt: schei* analoger Prozess. Das muss man doch optimieren können.
rawe energetics: aus 8 Stunden wird 1 Stunde
Das Ergebnis war unsere erste eigene Software: rawe energetics.
Sie hat den Dokumentationsaufwand pro Leckage von rund 5 Minuten auf 30 Sekunden reduziert. Klingt nach wenig. Aber bei 100 Leckagen werden aus 500 Minuten 60 Minuten. Aus über 8 Stunden wurde 1 Stunde.
Aus einem schei* analogen Prozess wurde ein sinnvoller.
Innuvis – die nächste Generation
Unsere neue Software Innuvis ist bereits in der Umsetzung – und in einigen Modulen schon live. Über 17 Unternehmen nutzen die Plattform täglich, dabei ist das System erst seit gut 5 Wochen online.
Das Modul, in dem alles seinen Anker hat, ist nicht zufällig das Leckagemanagement. Genau dort, wo aus 8 Stunden 1 Stunde geworden ist.
Die KI-Vision
Doch damit nicht genug. Ziel ist, dass Innuvis eine sinnvolle KI bekommt. Eine KI, die Anomalien erkennt, bevor sie zum Problem werden. Eine KI, die dem Nutzer einen echten Vorteil und Nutzen bietet. Eine Software, die nicht aus Marketinggründen mit einer KI versehen ist, sondern weil sie Sinn macht.
Diese Logik steckt vor allem in unserem PrüfAssistent & Wartungsplaner: dem Modul, das vorausschauend arbeitet, statt nur zu dokumentieren.
Erst verstehen, dann implementieren: MBAI bei Leaders of AI
Bevor das implementiert werden kann, ist es wichtig zu verstehen, wie KI arbeitet – und wie man sie in der Praxis am sinnvollsten einsetzt und integriert. Dazu habe ich bei Leaders of AI den MBAI absolviert. Ein Kurs, an dem ich seit etwa 9 Monaten arbeite – so, wie es die Zeit zugelassen hat.
Der Unterschied: Hier ist nicht „blabla“. Anhand verschiedener Case Studies wird man direkt selbst aktiv und kommt ins Umsetzen. Videos anschauen und verstehen ist eben etwas anderes, als Inhalte konkret umzusetzen.
Der Kurs hat nicht nur Spaß gemacht, sondern war auch sehr gut aufgebaut. So muss und soll es sein. Das gibt mir Inspiration für die eigenen Kurse, die für Innuvis noch entstehen werden.
Danke auch an Dominic von Proeck Sr. – sicher nicht der letzte Kurs, den ich bei euch in diesem Bereich absolviere.
PS
Mit KI habe ich bereits ein eigenes Portal aufgebaut, das wir intern bei rawe hermetics in sehr unterschiedlichen Bereichen aktiv nutzen.
Ihr habt Fragen? Gerne.


